HPV-Impfquote stagniert: Nur 55 Prozent der Mädchen vollständig geimpft

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Berlin. Die HPV-Impfquote in Deutschland stagniert nach den aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) weiterhin auf einem Niveau, das deutlich hinter internationalen Zielen zurückbleibt. Wie das RKI im Rahmen seiner KV-Impfsurveillance für das Kalenderjahr 2024 ausweist, waren lediglich 55 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 36 Prozent der gleichaltrigen Jungen vollständig gegen Humane Papillomviren geimpft. Bei den Mädchen liegt der Wert damit seit 2022 praktisch unverändert.

Die Zahlen stammen aus dem Impfquotenmonitoring des RKI auf Grundlage der Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am RKI empfiehlt die Impfung gegen HPV für alle Jungen und Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren; eine Nachholimpfung ist nach den STIKO-Empfehlungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr möglich. Die aktuellen Quoten bedeuten, dass ein erheblicher Teil der Jugendlichen das empfohlene Impfalter ohne vollständigen Schutz erreicht. Zum vollständigen Impfschutz gehören nach den Empfehlungen zwei Impfdosen, die in einem Mindestabstand verabreicht werden.

Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Rahmen ihrer globalen Strategie zur Eliminierung des Zervixkarzinoms als Ziel formuliert, dass bis 2030 weltweit 90 Prozent der Mädchen bis zum 15. Lebensjahr vollständig gegen HPV geimpft sein sollen. Das Zervixkarzinom gilt als die einzige Krebsart, für die die WHO eine Eliminierung als gesundheitspolitisches Problem grundsätzlich für erreichbar hält; eine Inzidenz von unter 4 Fällen pro 100.000 Frauen gilt dabei als Schwellenwert. Die Strategie der Weltgesundheitsversammlung aus dem Jahr 2020 sieht neben der Impfung zwei weitere Säulen vor: 70 Prozent der Frauen sollen bis zum Alter von 35 und erneut bis 45 Jahren mit einem leistungsfähigen Test untersucht werden, und 90 Prozent der Frauen mit einer diagnostizierten Zervixerkrankung sollen eine Behandlung erhalten.

Die Deutsche Krebsgesellschaft bezeichnet die Steigerung der HPV-Impfquoten in Deutschland in einem aktuellen Forum-Beitrag als eine der zentralen präventivmedizinischen Aufgaben. Demnach ist das Wissen über die HPV-Impfung in der deutschen Bevölkerung im Vergleich zu anderen Impfungen vergleichsweise gering; sowohl Eltern als auch Jugendliche seien vielfach unzureichend über Nutzen und empfohlenes Zeitfenster informiert. Als ein Grund für die stagnierenden Quoten nennt der Beitrag unter anderem, dass die Impfung in der Regel nicht an eine einheitliche, gut erinnerbare Institution wie eine Schulimpfung gekoppelt ist, sondern von der Initiative der Eltern und der Terminvergabe in den Arztpraxen abhängt.

Geschlechterlücke bei den Quoten bleibt groß

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind nach den RKI-Daten erheblich: Während bei den Mädchen gut jede Zweite mit 15 Jahren vollständig geimpft ist, gilt das nur für etwas mehr als jeden dritten Jungen. Die STIKO hatte ihre Empfehlung im Jahr 2018 auf Jungen ausgeweitet, nachdem zuvor nur Mädchen im Fokus der Impfempfehlung gestanden hatten. Seitdem sind die Quoten bei Jungen zwar gestiegen, liegen aber weiterhin deutlich unter denen der Mädchen.

Forscherinnen und Forscher verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass HPV-Infektionen beide Geschlechter betreffen und bei Männern unter anderem mit Tumoren im Mund- und Rachenraum in Verbindung gebracht werden. Das Deutsche Krebsforschungszentrum und die Deutsche Krebsgesellschaft ordnen die Impfung entsprechend als Krebsprävention für beide Geschlechter ein. Humane Papillomviren gelten nach Einschätzung der Fachgesellschaften als Hauptursache für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs und werden darüber hinaus mit weiteren Krebserkrankungen in Verbindung gebracht.

Was die Fachseite zur Steigerung der Quoten vorschlägt

In der Fachdiskussion werden mehrere Ansätze genannt, die nach Einschätzung der beteiligten Institutionen zur Steigerung der Impfquoten beitragen könnten. Dazu zählen nach Darstellung der Deutschen Krebsgesellschaft eine verbesserte, altersgerechte Aufklärung von Eltern und Jugendlichen, der Ausbau niedrigschwelliger Impfangebote sowie das systematische Nachfassen bei ausstehenden Zweitimpfungen. International werden zudem schulische Impfprogramme als ein Ansatz diskutiert; in einigen europäischen Ländern mit solchen Angeboten liegen die Quoten nach Angaben der WHO deutlich höher als in Deutschland.

Das RKI weist in seinen Publikationen darauf hin, dass die Impfquoten auf Bevölkerungsebene regelmäßig ausgewertet und die Ergebnisse im Rahmen des Gesundheitsmonitorings bereitgestellt werden. Damit lassen sich Entwicklungen über die Jahre verfolgen und regional vergleichen. Für individuelle Impfentscheidungen verweisen die Institutionen auf die ärztliche Beratung; die STIKO-Empfehlungen bilden dafür nach Aussage des RKI die wissenschaftliche Grundlage. Die Kosten für die von der STIKO empfohlenen Impfungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Einordnung

Die stagnierende HPV-Impfquote steht in einer Reihe weiterer Impfthemen, mit denen sich die Public-Health-Forschung in Deutschland derzeit beschäftigt — darunter die Grippe-Impfquote bei älteren Menschen und die Masern-Durchimpfung bei Kindern und Erwachsenen. Beobachter sehen die HPV-Quoten als Beispiel dafür, dass selbst eine seit Jahren bestehende und von den Krankenkassen vollständig erstattete Standardimpfung nicht automatisch hohe Durchimpfungsraten erzeugt. Ob die von der WHO bis 2030 gesetzte Marke von 90 Prozent in Deutschland erreichbar ist, hängt nach Einschätzung der Fachgesellschaften maßgeblich davon ab, ob Aufklärung und Zugang zu Impfangeboten in den kommenden Jahren spürbar verbessert werden.

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