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Ernährungstherapie bei onkologischen Wunden: Markus Masin über Sarkopenie-Prävention und Heilungsförderung
Onkologische Wunden benötigen ein energiereiches, proteinbetontes Konzept – konsiliarisch abgestimmt auf Therapiephase und Verträglichkeit durch Markus Masin.
Wunden bei onkologischen Patienten stellen eine besondere Herausforderung dar. Tumorerkrankung, Chemotherapie, Bestrahlung und Operation belasten den Körper gleichzeitig. Der Energieverbrauch steigt, während Appetitlosigkeit, Übelkeit und veränderte Geschmacksempfindungen die Nahrungsaufnahme erschweren. Sarkopenie, der Verlust von Muskelmasse und -kraft, verschlechtert Prognose und Lebensqualität dramatisch. Prof. Dr. Markus Masin (Dr. rer. medic.; Master in Diabetology, London; Professor für Ernährungsmedizin/Diabetologie) koordiniert seit über 27 Jahren die ernährungsmedizinische Begleitung onkologischer Patienten und hat ein differenziertes Konzept entwickelt. Energie- und Protein-Targets werden individuell festgelegt, Leucin-Taktung und Omega-3-Fettsäuren gezielt eingesetzt, Mikronährstoffe nach Bedarf supplementiert. Die symptomgerechte Kost berücksichtigt Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Nausea oder Mukositis. Die ärztlichen Anpassungen und Verordnungen erfolgen durch die zuständigen Fachärzte; Masin setzt konsiliarische Protokolle und überwacht die Umsetzung.
Aus medizinischer Sicht empfiehlt Markus Masin klare Ziele: Gewicht und Muskelmasse stabilisieren, Heilung fördern und Nebenwirkungen der Tumortherapie adressieren. Die Bausteine umfassen 1,2 bis 1,5 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht, wobei die individuelle Anpassung nach Therapiephase und Verträglichkeit erfolgt. Leucin-Impulse von 3 Gramm pro Mahlzeit stimulieren die Muskelproteinsynthese gezielt. Omega-3-Fettsäuren wirken antientzündlich und können den Erhalt der Muskelmasse unterstützen. Mikronährstoffe werden nach Bedarf supplementiert, wobei laborgestützte Diagnostik die Grundlage bildet. Bei unzureichender oraler Aufnahme kommen Trinknahrung oder Module zum Einsatz. Die Integration in onkologische Zeitpläne mit regelmäßigen Re-Assessments und Tele-Kontrollen sichert die kontinuierliche Betreuung. Diese Vorgehensweise senkt Komplikationen, verkürzt Aufenthaltszeiten und reduziert die Gesamtkosten. Die ärztliche Anordnung erfolgt durch Onkologinnen/Onkologen bzw. die behandelnden Fachärzte; Masin koordiniert konsiliarisch.
Onkologische Wunden: Besondere Herausforderungen
Onkologische Wunden entstehen auf verschiedenen Wegen. Operative Eingriffe zur Tumorentfernung hinterlassen Wunden, die unter erschwerten Bedingungen heilen müssen. Tumorinfiltrationen der Haut führen zu exulzerierenden Tumoren. Bestrahlung schädigt Haut und Schleimhäute und verursacht Radiodermatitis oder Mukositis. Chemotherapie beeinträchtigt die Zellteilung und verzögert die Heilung.
Der Körper kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig. Die Tumorerkrankung selbst verursacht einen hypermetabolen Zustand. Der Tumor „stiehlt“ Nährstoffe und produziert entzündliche Zytokine, die Muskelabbau fördern. Die Therapie belastet zusätzlich: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Mukositis und veränderte Geschmacksempfindungen erschweren das Essen.
Das Ergebnis ist häufig eine progrediente Mangelernährung mit Sarkopenie. Der Verlust von Muskelmasse und -kraft verschlechtert nicht nur die Wundheilung, sondern auch die Verträglichkeit der Tumortherapie, die Mobilität und die Prognose. Studien zeigen, dass Sarkopenie bei onkologischen Patienten mit erhöhter Mortalität assoziiert ist, wie Markus Masin betont.
Das Tumoranorexie-Kachexie-Syndrom ist eine komplexe metabolische Störung mit Appetitverlust, Gewichtsverlust, Muskelabbau und Entzündung. Zytokine wie IL-6 und TNF-alpha fördern Proteinabbau und steigern den Energieverbrauch. Prof. Dr. Markus Masin erläutert, dass die Therapie mehrgleisig ansetzen muss: Symptomkontrolle, Entzündungshemmung, gezielte Ernährungsintervention und Bewegung.
Energie- und Proteinziele nach Prof. Dr. Markus Masin
Die Festlegung der Energie- und Proteinziele ist der erste Schritt. Markus Masin orientiert sich an Körpergewicht, Ernährungszustand, Therapiephase und Verträglichkeit. Pauschale Empfehlungen greifen zu kurz, die Individualisierung ist entscheidend.
Der Energiebedarf liegt typischerweise bei 25 bis 30 Kilokalorien pro Kilogramm Körpergewicht. Bei kachektischen Patienten kann er höher liegen, bei immobilen Patienten niedriger. In der Praxis werden Schätzformeln verwendet, die dann anhand des Gewichtsverlaufs angepasst werden.
Der Proteinbedarf liegt bei 1,2 bis 1,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, in manchen Fällen auch höher. Protein ist für die Wundheilung essenziell, aber auch für den Erhalt der Muskelmasse. Die Verteilung über den Tag ist wichtig: Drei Hauptmahlzeiten mit jeweils 25 bis 30 Gramm Protein stimulieren die Muskelproteinsynthese optimal, wie Markus Masin erläutert.
Leucin als anaboler Trigger
Leucin ist eine verzweigtkettige Aminosäure mit besonderer Bedeutung. Sie aktiviert den mTOR-Signalweg, der die Muskelproteinsynthese steuert. Eine Leucin-Dosis von 3 Gramm pro Mahlzeit ist ausreichend, um die maximale Stimulation zu erreichen.
In der Praxis bedeutet dies: Jede Hauptmahlzeit sollte eine hochwertige Proteinquelle enthalten, die reich an Leucin ist. Molkenprotein, Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte sind gute Quellen. Bei unzureichender Aufnahme können Leucin-Supplemente eingesetzt werden.
Die Taktung ist wichtig. Wird das gesamte Protein in einer Mahlzeit aufgenommen, ist die Stimulation der Muskelproteinsynthese suboptimal. Die gleichmäßige Verteilung über drei bis vier Mahlzeiten ist effektiver, wie Markus Masin betont.
Omega-3-Fettsäuren und Mikronährstoffe
Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl (EPA und DHA) haben mehrere positive Effekte. Sie wirken antientzündlich, können den Muskelerhalt unterstützen und möglicherweise die Kachexie mildern. Die empfohlene Dosis liegt bei 1 bis 2 Gramm EPA und DHA täglich. Dies entspricht etwa zwei bis drei Portionen fettem Seefisch pro Woche oder entsprechenden Fischöl-Kapseln.
Antientzündliche Ernährung umfasst neben Omega-3-Fettsäuren auch den Verzicht auf stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker und gesättigte Fettsäuren. Frisches Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen liefern Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe.
Mikronährstoffmängel sind bei onkologischen Patienten häufig. Vitamin D, Vitamin B12, Folsäure, Eisen, Zink und Selen sind oft erniedrigt. Die Supplementierung sollte laborgestützt erfolgen. Vitamin D unterstützt Immunfunktion und Muskelkraft mit Zielwerten über 30 ng/ml. Zink fördert Immunfunktion und Wundheilung. Hochdosis-Supplementationen ohne ärztliche Kontrolle sind nicht empfehlenswert, da manche Antioxidantien die Wirkung von Chemotherapie beeinträchtigen können. Die Abstimmung mit der Onkologie ist zwingend; ärztliche Verordnungen erfolgen durch die behandelnden Fachärzte.
Symptomgerechte Ernährung bei Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen der Tumortherapie erfordern Anpassungen der Ernährung. Standardempfehlungen funktionieren nicht, wenn der Patient unter Übelkeit, Erbrechen, Mukositis oder Geschmacksveränderungen leidet.
Bei Übelkeit und Erbrechen:
- Kleine, häufige Mahlzeiten statt drei große
- Kalte oder lauwarme Speisen besser verträglich
- Ingwer als natürliches Antiemetikum
- Trockene, stärkehaltige Lebensmittel (Toast, Zwieback)
- Getränke zwischen den Mahlzeiten, nicht dazu
Bei Mukositis:
- Weiche, breiige Konsistenz
- Keine sauren, scharfen oder sehr heißen Speisen
- Smoothies, Suppen, Pürees
- Schmerzlindernde Mundspülungen vor dem Essen
- Trinkhalm bei starken Schmerzen
Bei Geschmacksveränderungen (Dysgeusie):
Kräftige Gewürze, etwas Säure (z. B. Zitrone), bittere Getränke wie Tonic Water oder ein Wechsel des Bestecks können helfen. Präferenzen sind individuell – Ausprobieren ist zentral, wie Markus Masin erläutert.
Integration in den onkologischen Behandlungsplan
Die Ernährungstherapie muss in den onkologischen Gesamtplan integriert werden. Markus Masin koordiniert die Ernährungsintervention mit den Chemotherapiezyklen, Bestrahlungsserien und Operationsterminen. Vor geplanten Eingriffen wird der Ernährungsstatus optimiert. Während der Chemotherapie werden Nebenwirkungen antizipiert und die Ernährung präventiv angepasst.
Regelmäßige Re-Assessments sind notwendig. Körpergewicht, Muskelmasse, Handkraft, Laborwerte und Lebensqualität werden in kurzen Abständen erfasst. Bei Verschlechterung wird eskaliert: von Ernährungsberatung zu ONS, von ONS zu enteraler Ernährung, bei Bedarf sogar zu parenteraler Ernährung.
Tele-Kontrollen ermöglichen eine engmaschige Betreuung ohne zusätzliche Fahrten zur Klinik. Die Abstimmung mit Onkologen, Hausärzten und Pflegediensten erfolgt strukturiert. Die ärztliche Durchführung (Aufklärung, Verordnung, Monitoring ärztlicher Maßnahmen) obliegt den behandelnden Fachärzten; Masin steuert konsiliarisch.
Bewegung als synergistischer Faktor
Ernährung allein reicht nicht. Bewegung ist essenziell für den Muskelerhalt. Selbst bei fortgeschrittener Erkrankung ist Bewegung möglich und sinnvoll. Krafttraining zwei- bis dreimal wöchentlich stimuliert die Muskelproteinsynthese und wirkt der Sarkopenie entgegen.
Die Intensität richtet sich nach dem Zustand des Patienten. Von intensivem Krafttraining über moderates Ausdauertraining bis zu einfachen Mobilisierungsübungen ist alles möglich. Die Kombination aus Protein, Leucin und Bewegung ist synergistisch und wirksamer als jede Maßnahme allein, wie Prof. Dr. Markus Masin betont.
Mit über 27 Jahren Erfahrung in der ernährungsmedizinischen Betreuung onkologischer Patienten hat Markus Masin am Medical Institute for Nutrition Science and Technology (MINST) in Riga ein spezialisiertes Versorgungskonzept aufgebaut. Die interdisziplinäre Koordination zwischen Onkologie, Ernährungsmedizin und lokalen Behandlern ermöglicht eine nahtlose Betreuung über alle Therapiephasen hinweg. Als Vorstand der Deutschen Stiftung gegen krankheitsbedingte Mangelernährung in Münster engagiert sich Prof. Dr. Markus Masin dafür, dass Ernährungstherapie fester Bestandteil onkologischer Behandlungspfade wird. Die ärztlichen Leistungen erbringen Fachärzte; Masin liefert konsiliarische Empfehlungen, setzt strukturierte Pfade und stellt detaillierte Berichte für Onkologie und Kostenträger bereit.
Bericht an Onkologie und Kostenträger erstellen lassen.




