RKI-Panel: Rund 885.000 Unfälle am Arbeitsplatz pro Jahr – Männer deutlich häufiger betroffen

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Rund 885.000 Erwerbstätige in Deutschland erleiden pro Jahr einen Unfall am Arbeitsplatz, der medizinisch versorgt werden muss. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor, die im Fachjournal „Journal of Health Monitoring“ veröffentlicht wurde. Demnach waren 2,4 Prozent der Erwerbstätigen zwischen 18 und 70 Jahren innerhalb der zwölf Monate vor der Befragung von einem Arbeitsplatzunfall betroffen.

Die Zahlen stammen aus dem Panel „Gesundheit in Deutschland“, einer bundesweiten, repräsentativen Befragung des RKI mit rund 40.000 registrierten Teilnehmenden ab 16 Jahren. An der Jahreswelle 2024 nahmen 41.376 Personen teil. Anders als die amtliche Statistik der gesetzlichen Unfallversicherung erfasst die Befragung auch leichtere Unfälle, die nicht meldepflichtig sind – etwa solche ohne Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen. Meldepflichtig ist ein Arbeitsunfall nach den Regeln der Berufsgenossenschaften erst, wenn er zu einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen oder zum Tod führt; leichtere Vorfälle müssen zwar betriebsintern dokumentiert werden, tauchen aber in der amtlichen Statistik nicht auf.

Damit schließt die Befragung eine Lücke in der Datenlage: Insgesamt verletzten sich im Jahr 2024 nach RKI-Angaben etwa 7 Millionen Menschen in Deutschland durch Unfälle so schwer, dass sie medizinisch behandelt wurden. Gut 34.000 Menschen starben den Angaben zufolge durch Unfälle. Für die medizinische Behandlung von Verletzungen werden rund 5 Prozent der gesamten Krankheitskosten aufgewendet.

Männer und junge Beschäftigte besonders betroffen

Die Auswertung zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während 3,2 Prozent der Männer innerhalb eines Jahres einen Unfall am Arbeitsplatz erlitten, waren es bei den Frauen 1,5 Prozent. Besonders häufig betroffen waren junge Männer sowie Männer mit niedriger Bildung. Nach Einschätzung der RKI-Forscher Alexander Rommel, Ronny Kuhnert und Anke-Christine Saß sollte die Unfallprävention vor allem in Berufen ansetzen, die häufig von jüngeren Männern und sozioökonomisch schlechter gestellten Personen ausgeübt werden – etwa in manuellen und einfachen Dienstleistungsberufen.

Zum Vergleich: Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) registrierte im Jahr 2024 insgesamt 810.399 meldepflichtige Arbeitsunfälle – mit rückläufiger Tendenz. Die Befragungsdaten des RKI ergänzen diese Statistik, da sie auch leichtere Verletzungen einbeziehen, die in den Meldedaten nicht auftauchen. Für die Hochrechnung nutzten die Forschenden einen mehrstufigen Stichprobengewicht, der unter anderem Alter, Geschlecht, Bundesland und Bildungsgruppen an die Bevölkerungsstruktur anpasst.

Unfälle am Arbeitsplatz können weit über die unmittelbare Verletzung hinaus Folgen haben: Neben den Behandlungskosten nennen die Autoren Arbeitsunfähigkeit, längerfristige gesundheitliche Beeinträchtigungen und Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit. Wer seinen letzten Unfall am Arbeitsplatz erlitten hatte, wurde im Panel zusätzlich zu Unfallmechanismus, Verletzungsart, Versorgung und anschließender Arbeitsunfähigkeit befragt.

Gesundheit in Deutschland: Ungleichheiten bleiben bestehen

Die Arbeitsunfall-Auswertung ist Teil einer breiteren Ergebnisreihe des RKI-Panels. Bereits Ende 2025 hatte das Institut erste Befunde der Jahreserhebung 2024 veröffentlicht: Demnach schätzten 64,2 Prozent der Erwachsenen ihre allgemeine Gesundheit als sehr gut oder gut ein – bei altersstandardisierter Betrachtung ein Rückgang um mehr als drei Prozentpunkte gegenüber 2023. Mehr als die Hälfte der Befragten (53,7 Prozent) gab an, chronisch krank zu sein; 65- bis 79-Jährige waren dabei im Vergleich zu 18- bis 29-Jährigen nahezu doppelt so häufig betroffen.

Dabei zeigten sich erhebliche soziale Ungleichheiten: Während 78,4 Prozent der Personen mit hoher Bildung ihre Gesundheit als sehr gut oder gut bewerteten, traf dies nur auf 49,6 Prozent der Menschen mit niedriger Bildung zu. Knapp die Hälfte (45,8 Prozent) der Erwachsenen mit Armutsrisiko beschrieb den eigenen Gesundheitszustand als mittelmäßig bis sehr schlecht, bei Personen mit hohem Einkommen waren es 26,3 Prozent. Das Krankheitsrisiko liegt für ärmere Menschen damit fast doppelt so hoch wie für wohlhabendere. Auch beim psychischen Wohlbefinden waren junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren mit 37,7 Prozent überdurchschnittlich häufig von niedrigem Wohlbefinden betroffen (Durchschnitt aller Befragten: 28,2 Prozent).

Eine weitere Analyse des Panels zur allgemeinen Gesundheitskompetenz ergab, dass 81,3 Prozent der Frauen und 81,0 Prozent der Männer eine geringe Gesundheitskompetenz aufweisen. Gemessen wurde mit dem anerkannten Instrument HLS19-Q12 auf Basis von 26.817 Teilnehmenden. Das RKI folgert daraus einen erheblichen Handlungsbedarf: Angebote und Strukturen sollten so gestaltet werden, dass gesundheitskompetentes Handeln überhaupt möglich wird – statt allein an individuellen Fähigkeiten anzusetzen.

Folgen für die Prävention

Die RKI-Forscher betonen, dass Bevölkerungsbefragungen wichtige Ansatzpunkte für die Unfallprävention liefern können, weil sie auch Verletzungen erfassen, die in amtlichen Meldestatistiken nicht vorkommen. Für die Arbeitsmedizin und den Arbeitsschutz sei es entscheidend, Risikogruppen gezielt zu erreichen. Gleichzeitig unterstreichen die Panel-Ergebnisse zur allgemeinen Gesundheitslage, dass gesundheitliche Chancen in Deutschland weiterhin stark von Bildung, Einkommen und Alter abhängen.

Das Panel „Gesundheit in Deutschland“ wurde Anfang 2024 gestartet und soll künftig regelmäßig Daten liefern. Geplant ist nach RKI-Angaben, neben Befragungen auch Messdaten zu integrieren – etwa zu Körpergröße, Blutdruck oder Labordaten – sowie Sekundärdaten von Krankenversicherungen und der Deutschen Rentenversicherung einzubeziehen. Weitere Auswertungen zu Themen wie wahrgenommenem Stress, Gesundheitskompetenz und Versorgungsqualität sind bereits erschienen oder in Vorbereitung.

Quellen

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