Aktuelle Einblicke in Medizin, Forschung und Prävention!

Keuchhusten in Europa: ECDC meldet über 200.000 Fälle – RKI bestätigt Rekordhoch in Deutschland
Die Keuchhusten-Fallzahlen in Europa haben 2024 einen Rekordstand erreicht: Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) meldeten die EU- und EWR-Staaten insgesamt 209.674 Pertussis-Fälle. Das entspricht einer Melderate von 54,9 Fällen pro 100.000 Einwohner – mehr als das Achtfache des Vorjahreswerts. Auch in Deutschland verzeichnete das Robert Koch-Institut (RKI) die höchste jährliche Fallzahl seit Einführung der Meldepflicht.
Deutlicher Anstieg nach den Pandemiejahren
Nach dem ECDC-Bericht lag die Melderate 2023 noch bei 6,7 Fällen pro 100.000 Einwohner, im Jahr 2022 bei 0,7. Der Anstieg auf 54,9 im Jahr 2024 entspricht damit einer Vervielfachung um den Faktor 78 gegenüber 2022. Drei Länder – Tschechien, Polen und Spanien – meldeten zusammen mehr als 46 Prozent aller Fälle.
Als wesentliche Erklärung nennt das ECDC die Ansammlung anfälliger Personen nach den Corona-Jahren: Während der Pandemie zirkulierte der Erreger Bordetella pertussis kaum, natürliche Auffrischungen der Immunität blieben aus. Hinzu kommen nach Einschätzung der Behörde nicht oder unvollständig Geimpfte sowie nachlassender Impfschutz. Auch verbesserte Testkapazitäten nach der Pandemie könnten zu höheren gemeldeten Zahlen beigetragen haben.
In Deutschland war der Anstieg ebenfalls deutlich sichtbar. Nach Angaben des RKI wurde 2024 die bislang höchste jährliche Fallzahl seit Einführung der Meldepflicht registriert. In den Jahren vor der Pandemie schwankten die Zahlen laut RKI-Daten zwischen gut 9.000 und knapp 17.000 Fällen pro Jahr.
Säuglinge tragen das höchste Risiko
Das höchste Risiko für schwere Verläufe tragen nach ECDC-Angaben Säuglinge unter sechs Monaten, die noch nicht oder nur teilweise geimpft sind. Knapp 80 Prozent der Krankenhausaufnahmen wegen Keuchhusten betreffen dieser Analyse zufolge diese Altersgruppe; von den zwischen 2011 und 2022 gemeldeten Todesfällen entfielen 95,5 Prozent auf Säuglinge unter sechs Monaten. Bei Neugeborenen und Säuglingen bis zu zwei Monaten liegt die Letalität laut ECDC bei etwa zwei Prozent.
Auch das RKI weist darauf hin, dass sich rund sechs von zehn Keuchhustenfällen in Deutschland bei Erwachsenen zeigen. Grund ist der mit den Jahren nachlassende Impfschutz. Erwachsene erkranken häufig milder, können den Erreger aber unbemerkt weitergeben – die Ansteckungsquelle für Säuglinge ist nach ECDC-Angaben oft ein Elternteil, ein älteres Geschwisterkind oder eine andere Bezugsperson mit unerkannter Infektion.
Impfung als zentrale Präventionsmaßnahme
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Pertussis-Impfung als Teil der Standardimpfungen im Kindesalter mit Auffrischungen im Jugend- und Erwachsenenalter. Zusätzlich rät die STIKO seit März 2020 Schwangeren zur Impfung zu Beginn des dritten Schwangerschaftsdrittels – unabhängig vom Abstand zur letzten Impfung. Über die Plazenta übertragene Antikörper schützen das Neugeborene in den ersten Lebenswochen, in denen es selbst noch nicht geimpft werden kann. Diese sogenannte Nestschutz-Strategie wird inzwischen von den meisten EU- und EWR-Staaten empfohlen.
Das ECDC fordert die Mitgliedstaaten auf, hohe Impfquoten zu erreichen und zu halten – einschließlich der vollständigen Grundimmunisierung und der vorgesehenen Auffrischungsimpfungen. Pertussis sei auch bei hoher Durchimpfungsrate eine endemische Krankheit, bei der alle drei bis fünf Jahre größere Wellen zu erwarten seien, so die Behörde.
Keuchhusten ist eine hoch ansteckende Atemwegsinfektion, die durch Tröpfchen übertragen wird. Das ECDC beziffert die Basisreproduktionszahl auf 12 bis 17 – der Erreger gehört damit zu den ansteckendsten überhaupt. Typisch sind anfallsartige Hustenstöße; bei Säuglingen können Atempausen und Lungenentzündungen als Komplikationen auftreten.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Erkrankung wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.



