RSV-Impfung für Ältere: STIKO empfiehlt Standardimpfung ab 75 Jahren

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Seit August 2024 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine einmalige Schutzimpfung gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) für alle Personen ab einem Alter von 75 Jahren. Die Empfehlung wurde im Epidemiologischen Bulletin 32/2024 des Robert Koch-Instituts (RKI) veröffentlicht und dort ausführlich begründet. Ergänzend gilt eine Indikationsimpfung für Personen im Alter von 60 bis 74 Jahren, wenn sie an einer schweren Grunderkrankung leiden oder in einer Einrichtung der Pflege leben.

Das Respiratorische Synzytial-Virus ist weltweit und auch in Deutschland eine relevante Infektionskrankheit der unteren Atemwege. Während die Erkrankung bei jüngeren, gesunden Erwachsenen häufig mild verläuft, tragen ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Verläufe. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums haben Personen ab einem Alter von 75 Jahren das größte Risiko, aufgrund einer RSV-Infektion schwer zu erkranken, im Krankenhaus oder auf der Intensivstation behandelt zu werden oder zu versterben. Ziel der Impfempfehlung ist es, schwere RSV-bedingte Atemwegserkrankungen in diesen Gruppen zu verhindern und in Pflegeeinrichtungen die Ausbreitung des Virus sowie Ausbrüche einzudämmen.

Für wen gilt die Empfehlung?

Die STIKO unterscheidet zwei Gruppen: Als Standardimpfung wird die einmalige RSV-Impfung allen Personen ab einem Alter von 75 Jahren empfohlen. Als Indikationsimpfung gilt die Empfehlung für Personen im Alter von 60 bis 74 Jahren, die eine schwere Form einer Grunderkrankung haben oder in einer Einrichtung der Pflege leben. Zu den relevanten Grunderkrankungen zählen nach den Angaben des RKI schwere Formen chronischer Erkrankungen der Atmungsorgane, chronische Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen, chronische neurologische und neuromuskuläre Erkrankungen, hämato-onkologische Erkrankungen, Diabetes mellitus mit Komplikationen sowie angeborene oder erworbene Immundefizienz.

Leichte oder medikamentös gut kontrollierte Formen dieser Erkrankungen gehen nach jetzigem Wissensstand nicht mit einem deutlich erhöhten Risiko für einen schweren RSV-Krankheitsverlauf einher; in diesen Fällen wird die Impfung nicht generell empfohlen. Eine Einzelfallentscheidung außerhalb der Empfehlung ist nach individueller Abwägung mit der Ärztin oder dem Arzt grundsätzlich möglich. Die Bewertung des Schweregrades einer Grunderkrankung obliegt dabei der ärztlichen Einschätzung; die Impfindikation kann sich entweder allein aus der Schwere einer einzelnen Grunderkrankung oder aus der Summe verschiedener Einzelerkrankungen ergeben.

Die Impfung ist auch nach einer bereits durchgemachten, labordiagnostisch gesicherten RSV-Infektion möglich. Nach Angaben des RKI können Reinfektionen bereits kurz nach einer RSV-Infektion auftreten, da die Infektion keine lang anhaltende Immunität vermittelt. Personen, die bereits erkrankt waren, können daher nach ihrer Genesung von einer einmaligen Impfung vor oder während der nächsten RSV-Saison profitieren; ist die Saison zu diesem Zeitpunkt bereits vorbei, sollte die Impfung vor der nächsten Saison im Spätsommer oder Herbst erfolgen.

Wirksamkeit und verfügbare Impfstoffe

Die STIKO bewertet die RSV-Impfung als wirksames Mittel zur Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe. Laut RKI reduzieren die proteinbasierten Impfstoffe das Risiko einer RSV-bedingten Erkrankung der unteren Atemwege bei Personen ab 60 Jahren um etwa 75 Prozent. Der mRNA-Impfstoff wird mit einer Wirksamkeit von 84 Prozent von der STIKO als vergleichbar bewertet. Diese Angaben stammen aus den Epidemiologischen Bulletins 32/2024 und 15/2025 des RKI.

Eine in der Fachzeitschrift The Lancet publizierte Studie aus den USA belegt ebenfalls die hohe Wirksamkeit der proteinbasierten RSV-Impfstoffe vor schweren Verläufen bei Personen ab 60 Jahren. Demnach wird das Risiko vor Hospitalisierung, intensivmedizinischer Behandlung oder Tod bei dieser Altersgruppe um etwa 80 Prozent verringert. Bei Personen ab 75 Jahren sowie bei Personen ab 60 Jahren mit Immundefizienz wurden ähnlich hohe Wirksamkeiten gegenüber Hospitalisierung beobachtet – 79 beziehungsweise 73 Prozent. Die Wirksamkeit des mRNA-Impfstoffes vor schweren RSV-bedingten Krankheitsverläufen kann mit den bisher vorliegenden Daten für Personen ab 75 Jahren und Personen ab 60 Jahren mit schweren Grunderkrankungen nach RKI-Angaben noch nicht sicher beurteilt werden.

In Deutschland stehen derzeit drei Impfstoffe zur Verfügung: die proteinbasierten Impfstoffe Abrysvo und Arexvy sowie der mRNA-Impfstoff mResvia. Alle drei sind von der STIKO für die Impfung der empfohlenen Altersgruppen gleichermaßen empfohlen; eine bevorzugte Empfehlung für einen der Impfstoffe wird nicht ausgesprochen. Die Kosten trägt die gesetzliche Krankenversicherung: Mit der Umsetzung der STIKO-Empfehlung in die Schutzimpfungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses haben gesetzlich Krankenversicherte einen Anspruch auf die Impfung.

Die RSV-Impfstoffe können gleichzeitig mit der saisonalen Influenza-Impfung und mit einem COVID-19-mRNA-Impfstoff verabreicht werden. Der proteinbasierte Impfstoff Arexvy kann zudem gleichzeitig mit einem Pneumokokken-Konjugatimpfstoff oder dem Herpes-zoster-Totimpfstoff gegeben werden. Zwischen der Verabreichung von Abrysvo und einem Tetanus-Diphtherie-azellulären-Pertussis-Impfstoff wird dagegen ein Abstand von mindestens zwei Wochen empfohlen, da bei gleichzeitiger Gabe die Immunantworten auf die Pertussis-Komponenten niedriger ausfielen; die klinische Relevanz dieser Beobachtung ist nach RKI-Angaben nicht bekannt.

Verträglichkeit und Sicherheitsüberwachung

Die RSV-Impfstoffe sind nach Angaben von RKI und Bundesgesundheitsministerium im Allgemeinen gut verträglich und sicher. Übliche Impfreaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit sowie Kopf- und Gliederschmerzen können auftreten und klingen in der Regel nach wenigen Tagen wieder ab. Schwere Nebenwirkungen sind selten.

In der Postmarketing-Überwachung der proteinbasierten RSV-Impfstoffe wurde in den USA ein erhöhtes Auftreten von Guillain-Barré-Syndromen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung beobachtet – bis zu 25 Fälle pro einer Million verabreichter Impfungen. Verlässliche Schätzungen zur Höhe dieses Risikos, insbesondere in verschiedenen Altersgruppen, gibt es bisher nicht. Zudem wurde ein mögliches Sicherheitssignal für das Auftreten einer Immunthrombozytopenie nach Gabe der proteinbasierten Impfstoffe erfasst, ohne dass bislang ein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung bestätigt werden konnte. Beim mRNA-Impfstoff wird als seltene Nebenwirkung eine periphere Fazialisparese beschrieben; dieses schwere unerwünschte Ereignis trat in der zugrunde liegenden Studie in Impfstoff- und Placebogruppe ähnlich häufig auf. Das Paul-Ehrlich-Institut erfasst – wie bei allen anderen zugelassenen Impfstoffen auch – kontinuierlich alle Meldungen mit Verdacht auf eine Nebenwirkung beziehungsweise Impfkomplikation und wertet diese aus, damit zukünftige Signale möglichst schnell erkannt werden. Das Bundesgesundheitsministerium betont, dass bei den Personen, für die die Impfung empfohlen ist, der Nutzen die möglichen Risiken nach Abwägung der STIKO deutlich überwiegt.

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