Masern 2025: Fallzahlen in Europa gesunken – doch die Impflücke bleibt

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Die Zahl der Masernfälle in Europa und Zentralasien ist im Jahr 2025 deutlich zurückgegangen. Das geht aus vorläufigen Daten hervor, die 53 Länder der Europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeldet haben. Insgesamt wurden den Angaben von WHO und Kinderhilfswerk UNICEF zufolge 33.998 Fälle registriert – ein Rückgang um fast 75 Prozent gegenüber 127.412 Fällen im Jahr 2024. Trotz des Rückgangs warnen beide Organisationen davor, die Entwicklung als Entwarnung zu lesen: Die Gefahr neuer Ausbrüche bleibe bestehen.

Für Deutschland meldet das WHO-Impfinformationssystem für 2024 insgesamt 653 Masernfälle. Von Januar bis November 2025 waren es den vorläufigen Angaben zufolge noch 226 – deutlich weniger als im Vorjahr, aber immerhin ein Vielfaches der 73 Fälle aus dem Jahr 2020. Damit folgt die Bundesrepublik dem Trend der Gesamtregion, ohne ihn zu unterbieten.

Der Einbruch nach dem Rekordjahr 2024

Der Rückgang folgt auf ein außergewöhnlich belastetes Jahr. Für 2024 hatten WHO und UNICEF mit 127.350 gemeldeten Fällen die höchste Zahl in der Europäischen Region seit 1997 verzeichnet – doppelt so viele wie 2023. Mehr als 40 Prozent der Fälle betrafen demnach Kinder unter fünf Jahren, bei mehr als der Hälfte der gemeldeten Erkrankungen war ein Krankenhausaufenthalt erforderlich. 38 Todesfälle wurden für das Jahr 2024 gemeldet.

Als zentralen Grund für den Anstieg der Vorjahre nennen die Organisationen Impflücken, die sich während der Corona-Pandemie vergrößert haben. Allein 2023 verpassten den Angaben zufolge in der Europäischen Region rund 500.000 Kinder die erste Dosis des Masernimpfstoffs, der im Rahmen der Routineimpfungen vorgesehen ist. In vielen Ländern hätten die Impfquoten noch nicht wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht.

Der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Henri P. Kluge, wies bei der Vorlage der Zahlen für 2025 darauf hin, dass in den vergangenen drei Jahren mehr als 200.000 Menschen in der Region an Masern erkrankt seien. Solange nicht jede Gemeinde eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent erreiche, Immunitätslücken in allen Altersgruppen geschlossen und die Krankheitsüberwachung verstärkt würden, werde sich das Virus weiter ausbreiten, erklärte Kluge. Zugleich rückte die Region bei der Eliminierung der Masern zurück: Auf Grundlage der Länderberichte für 2024 stieg die Zahl der Länder mit anhaltender oder wiederauflebender endemischer Übertragung von zwölf auf neunzehn – nach Einschätzung der Europäischen Verifizierungskommission der größte Rückschlag seit Jahren.

Deutschland: Impfquoten unter dem Zielwert

Für den Gemeinschaftsschutz, bei dem auch Personen geschützt sind, die selbst nicht geimpft werden können, gilt nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) eine Immunität von mehr als 95 Prozent in der Bevölkerung als Voraussetzung dafür, Infektionsketten schnell zu unterbrechen. Diesen Wert erreicht Deutschland nach den vorliegenden Daten der RKI-Impfsurveillance nicht durchgehend.

Den aktuellen Begleitfolien des RKI-Impfquotenmonitorings zufolge beginnen 87 Prozent aller Kinder bis zum Alter von 15 Monaten die Grundimmunisierung gegen Masern. Vollständig – also zweimal – gegen Masern geimpft sind bis zum zweiten Geburtstag jedoch nur 77 Prozent der Kinder. Die regionalen Unterschiede sind erheblich: Beim vollständigen Schutz mit 24 Monaten reicht die Spanne nach RKI-Angaben von 55 Prozent in Sachsen bis zu 84 Prozent in Schleswig-Holstein.

Bis zur Einschulung holen viele Familien die Impfungen nach. In den Schuleingangsuntersuchungen des Untersuchungsjahres 2020, die das RKI im Epidemiologischen Bulletin ausgewertet hat, war bei 97,5 Prozent der Kinder die erste und bei 93,2 Prozent auch die zweite Masernimpfung dokumentiert. Das Ziel des Nationalen Masernaktionsplans – 95 Prozent zweimal geimpfte Kinder zum Schuleingang in mindestens 90 Prozent der Landkreise – wurde damit nur in vier Bundesländern erreicht. Daten der Impfsurveillance der Kassenärztlichen Vereinigungen zeigen zudem, dass lediglich 29 von 373 untersuchten Landkreisen und kreisfreien Städten beim Geburtsjahrgang 2015 eine Zweifachimpfung von mindestens 95 Prozent im Schulalter nachweisen konnten.

Das RKI weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich das im Jahr 2020 in Kraft getretene Masernschutzgesetz positiv auf die Inanspruchnahme der Masernimpfung bei Kleinkindern ausgewirkt hat. Das Gesetz macht den Impfnachweis für den Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas und Schulen zur Pflicht. Dennoch erfolgten die Impfungen bei vielen Kindern weiterhin zu spät oder blieben unvollständig – ein Defizit, das nach Darstellung des Instituts schon vor der Pandemie bestand.

Warum die 95-Prozent-Marke entscheidend ist

Masern gehören zu den ansteckendsten Krankheiten überhaupt. Nach Einschätzung des RKI können nach Deutschland importierte Masernviren wegen der nicht ausreichend hohen Immunität in der Bevölkerung immer wieder auf ungeschützte Personen übertragen werden. Die Folge sind lokale Ausbrüche, die Gesundheitsämter und Kliniken belasten – obwohl die Erkrankung durch eine seit Jahrzehnten verfügbare Schutzimpfung vermeidbar ist. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln im Alter von elf Monaten und die zweite im Alter von 15 Monaten.

Die gesunkenen Fallzahlen des Jahres 2025 ändern an dieser Grundkonstellation nach Einschätzung von WHO und UNICEF wenig. Die vorläufigen Daten umfassen nur die monatlichen Meldungen; die endgültigen Jahreszahlen über das gemeinsame Berichterstattungssystem von WHO und UNICEF fallen erfahrungsgemäß höher aus. Schon 2024 lag die endgültig gemeldete Zahl für die Region mit 151.040 Fällen deutlich über den zunächst gemeldeten 127.412.

Beide Organisationen fordern die Mitgliedstaaten auf, ihre Impfprogramme und Überwachungssysteme zu stärken und schneller auf Ausbrüche zu reagieren. Kluge wies zudem auf die Rolle von Desinformation hin: Angesichts verbreiteter Falschinformationen sei es wichtig, dass sich die Bevölkerung auf geprüfte Gesundheitsinformationen aus zuverlässigen Quellen verlasse – etwa der WHO, des UNICEF und der nationalen Gesundheitsbehörden. Für Deutschland bedeutet das nach derzeitigem Datenstand: Die Fallzahlen sinken, doch die Impfquoten, insbesondere die zweite Impfung bei Kleinkindern, bleiben der entscheidende Hebel, um die Masern dauerhaft zurückzudrängen.

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