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RKI: Atemwegserkrankungen steigen – Saison beginnt mit 180-Millionen-Bilanz des Vorjahres
Mit dem Ende der Herbstferien steigt die Zahl akuter Atemwegserkrankungen in Deutschland wieder an – und damit beginnt auch frühestmöglich die Saison der respiratorischen Infekte. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldet einen Anstieg auf Bevölkerungsebene und verweist gleichzeitig auf die Bilanz des vergangenen Winters: Rund 180 Millionen akute Atemwegserkrankungen, 37 Millionen Arztbesuche und 429.000 stationäre Behandlungen dokumentierte das Institut für die Saison 2025/2026.
Anstieg nach den Herbstferien
Nach einer Phase sehr niedriger Aktivität im Sommer ist die Zahl der Atemwegserkrankungen (ARE) zwischen der Kalenderwoche 24 und 27 noch gesunken und lag auf einem für die Jahreszeit typischen Niveau. Seit einigen Wochen zeigt sich nun wieder ein Anstieg – ausgelöst unter anderem durch die Zusammenführung der Bevölkerung nach den Herbstferien. Gemäß RKI-Daten liegt der Anstieg im virologischen Panel vor allem bei Rhinoviren, gefolgt von Parainfluenzaviren. Influenzaviren wurden im aktuellen Berichtszeitraum nicht nachgewiesen.
Im Nationalen Referenzzentrum (NRZ) für Influenzaviren waren von der 24. bis zur 27. Kalenderwoche 2026 in 86 von 151 Sentinelproben respiratorische Viren identifiziert worden. Davon entfielen 36 Prozent auf Rhinoviren, 11 Prozent auf Parainfluenzaviren. Im stationären Bereich blieb die Zahl schwerer akuter respiratorischer Infektionen (SARI) konstant auf sehr niedrigem Niveau; weniger als ein Prozent der SARI-Patienten erhielten eine RSV-, Influenza- oder COVID-19-Diagnose.
Vorjahresbilanz zeigt Ausmaß der Saison
Die jüngsten RKI-Zahlen für das Winterhalbjahr 2025/2026 verdeutlichen, was das kommende Infektgeschehen für das Gesundheitssystem bedeuten kann. Laut RKI-Saisonbericht erkrankten in Deutschland rund 180 Millionen Menschen an akuten Atemwegserkrankungen. Daraus resultierten 37 Millionen Arztbesuche im Zusammenhang mit Grippe, Covid-19 oder durch RSV ausgelösten Infekten. 429.000 dieser Erkrankungen mussten stationär behandelt werden; 22.700 Erkrankte verstarben.
Am häufigsten erkrankten nach Angaben des RKI Kleinkinder – sie wiesen im Durchschnitt 4,6 akute Atemwegserkrankungen im vergangenen Winter auf. Menschen ab 60 Jahren erkrankten im Vergleich nur 1,3 Mal. Insgesamt fiel die Saison moderat aus: In den Vorjahren 2023/2024 und 2024/2025 waren mehr Atemwegserkrankungen registriert worden.
Der Höhepunkt des Infektionsgeschehens lag dem Institut zufolge in der Zeit Ende Januar bis Anfang Februar. Dieser Verlauf entspricht dem historischen Muster der Atemwegsinfekt-Saison in Mitteleuropa, bei dem die Belastung für Arztpraxen und Kliniken typischerweise in den ersten Monaten des Kalenderjahres am größten ist. Das RKI weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Gesamtzahl der Erkrankungen deutlich über der Zahl der ärztlich dokumentierten Fälle liegt – viele Betroffene kurieren sich zu Hause aus und erscheinen in keiner Statistik.
Wie das RKI das Infektgeschehen misst
Die Daten des RKI liefern die Grundlage für behördliche Präventionsstrategien und für die Kommunikation mit der Bevölkerung. Das Institut stuft die aktuelle Aktivität als normal für die Jahreszeit ein, weist aber auf die Dynamik nach den Herbstferien hin. Die Zusammenführung in Schulen, Kitas und am Arbeitsplatz führt dem Modell der Surveillance zufolge zu einem Anstieg der Kontakte – und damit zu mehr Übertragungen von Atemwegsviren.
Die Bereitschaft der Bevölkerung, sich vor Atemwegserkrankungen zu schützen, bleibt dem RKI zufolge ein zentraler Faktor für das Infektgeschehen. Dem Institut zufolge sind frühzeitige Informationen über Hygiene, ausreichendes Lüften und das Beachten von Krankheitszeichen wirksame Präventionsbausteine.
Die Surveillance-Daten des RKI dienen zudem als Frühwarnsystem für Belastungszunahmen in der medizinischen Versorgung. Für Krankenhäuser, Arztpraxen und Gesundheitsämter sind die Wochenberichte ein Instrument, um Personalkanäle, Bettbelegungen und Meldewege an das saisonale Geschehen anzupassen. Das Institut betont, dass nur eine kontinuierliche und mehrstufige Beobachtung eine verlässliche Einschätzung ermöglicht – insbesondere in der Anfangsphase einer Saison, in der die finalen Belastungsspitzen noch nicht erkennbar sind.
Besonders relevant sind die Daten für vulnerable Gruppen: Nach RKI-Angaben lassen sich schwere Verläufe bei älteren Menschen und Personen mit Vorerkrankungen nur dann rechtzeitig erkennen, wenn die Überwachung lückenlos funktioniert. Das Institut veröffentlicht wöchentlich die ARE-Berichte und stellt damit Ärztinnen, Ärzten und Behörden eine Entscheidungsgrundlage für regionale Empfehlungen zur Verfügung. Das RSV, Influenzavirus und SARS-CoV-2 im Herbst parallel zirkulieren können, dokumentiert das RKI seit Jahren in seinen Berichten.
Rolle der Surveillance im Gesundheitssystem
Die Daten zur Atemwegserkrankungen beruhen auf dem GrippeWeb-Netzwerk des RKI sowie auf dem Nationalen Referenzzentrum für Influenzaviren und Meldedaten nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). Diese mehrstufige Surveillance ermöglicht es, das Geschehen auf Bevölkerungsebene, in Arztpraxen und in Krankenhäusern gleichzeitig zu betrachten. Ergänzend wertet das Institut die Viruslast im Abwasser aus: Die Influenza-, SARS-CoV-2- und RSV-Last blieb den Daten zufolge im späten Sommer niedrig, liefert aber einen weiteren unabhängigen Indikator für den Saisonverlauf. Für kommende Wochen erwartet das RKI einen weiteren Anstieg der Fallzahlen, ohne jedoch zu Prognosen über die Schwere der Saison zu gelangen.
Die Daten zeigen: Atemwegserkrankungen sind auch in moderaten Jahren ein erheblicher Gesundheitsfaktor. Für das Gesundheitssystem bedeutet das eine kontinuierliche Herausforderung – vom Hausarztbesuch bis zur stationären Versorgung schwerer Verläufe.
Bereits der moderate Verlauf der letzten Saison hat nach RKI-Angaben zu spürbaren Kapazitätsgrenzen in Arztpraxen und Kliniken geführt. Die aktuelle Frühphase der Saison liefert den Behörden nun entscheidende Hinweise zur Planung – insbesondere für den regionalen Gesundheitsbericht, der auf Länderebene erstellt wird. Das RKI betont, dass die Bevölkerung selbst durch einfache Verhaltensmaßnahmen wie Abstandhalten bei Symptomen und ausreichendes Lüften von Räumen einen Beitrag zur Begrenzung der Saison leisten kann.



