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Krebs in Deutschland 2021–2023: 517.800 Neuerkrankungen – RKI-Bericht zeigt Rückgang der Sterberaten
Im Jahr 2023 sind in Deutschland geschätzt 517.800 Krebserkrankungen diagnostiziert worden. Das geht aus der neuen, 15. Ausgabe des Berichts „Krebs in Deutschland“ hervor, den das Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD) im Robert Koch-Institut gemeinsam mit dem Verein Deutsche Krebsregister e.V. (DKR) herausgibt. Demnach erkrankten etwa 276.400 Männer und 241.400 Frauen neu an Krebs. Zugleich zeigen die Daten einen langfristigen Rückgang der Sterberaten – und erstmals liegen die Registerzahlen bereits für einen Dreijahreszeitraum bis einschließlich 2023 vor.
Rund die Hälfte aller Fälle betraf vier Lokalisationen: die Prostata mit 79.600 Neuerkrankungen, die Brustdrüse mit 75.900, die Lunge mit 58.300 sowie den Dick- und Enddarm mit 55.300. Die Zahlen beruhen auf den Daten der Landeskrebsregister und der amtlichen Todesursachenstatistik.
Sterberaten seit 25 Jahren rückläufig
Trotz der hohen absoluten Fallzahlen zeigt der Langzeittrend nach Angaben des RKI in eine positive Richtung: Die altersstandardisierten Krebssterberaten sind in den vergangenen 25 Jahren bei Männern um 31 Prozent und bei Frauen um 21 Prozent gesunken. Für 2023 verzeichnet die Todesursachenstatistik rund 229.000 krebsbedingte Sterbefälle – davon 123.000 bei Männern und 106.000 bei Frauen.
Die meisten Todesfälle entfielen auf bösartige Tumore der Lunge (45.000), des Dick- und Enddarms (22.700), der Bauchspeicheldrüse (19.400) und der Brustdrüse (18.700). Zusammen machten diese vier Diagnosen knapp die Hälfte aller Krebstodesfälle aus. Die stärksten Rückgänge bei der Sterblichkeit verzeichnen die Register für Magen- und Darmkrebs.
Auch die altersstandardisierte Neuerkrankungsrate entwickelt sich laut Bericht weiterhin leicht rückläufig: Sie betrug 2023 bei Männern 418 und bei Frauen 347 pro 100.000 Personen. Rechnet man den Anstieg durch die zunehmende Zahl älterer Menschen in der Bevölkerung heraus, sinkt das Erkrankungsrisiko also leicht. Die wachsenden Absolutzahlen erklären sich demnach vor allem aus dem demografischen Wandel – und nicht aus einem gestiegenen individuellen Risiko.
Das Zentrum für Krebsregisterdaten schätzt und analysiert regelmäßig die Zahl jährlich neu aufgetretener Krebserkrankungen in Deutschland anhand der Daten aus den Landeskrebsregistern. Die Krebsregistrierung erfolgt seit 2009 flächendeckend; die Trenddarstellungen für die Zeit davor beruhen teilweise auf Schätzungen, die auf den im jeweiligen Zeitraum als vollzählig eingeschätzten Registern basieren.
Erstmals Dreijahreszeitraum und regionale Karten
Die neue Ausgabe berichtet erstmals über einen Dreijahreszeitraum von 2021 bis 2023. Möglich wurde das durch eine Verkürzung der Übermittlungsfrist der Landeskrebsregister um ein Jahr, wie das RKI mitteilt. Damit lässt der Bericht Trends über 25 Jahre von 1999 bis 2023 darstellen und ist nach Angaben des Instituts aktueller als alle bisherigen Ausgaben.
Neu sind außerdem kartografische Darstellungen der Krebsinzidenz und -mortalität für die 38 NUTS-2-Regionen Deutschlands sowie Auswertungen nach Histologie, also der Gewebeart, und Lokalisation. Beim Blut- und Lymphdrüsenkrebs wird die bisherige Einteilung erweitert: Der Bericht enthält eine Übersicht sowie detaillierte Angaben zu zwölf Einzeldiagnosen aus diesem Erkrankungsspektrum.
Erstmals werden zudem Häufigkeiten meldepflichtiger Tumoren dargestellt, die nicht als bösartig eingestuft werden – darunter fortgeschrittene Krebsvorstufen, sogenannte in-situ-Tumoren, und gutartige Tumoren des zentralen Nervensystems.
Der Bericht fasst die wichtigsten epidemiologischen Maßzahlen für mehr als 30 Krebsarten zusammen, darunter Erkrankungshäufigkeit und Sterblichkeit, die Verteilung der Tumorstadien und Überlebensaussichten. Ergänzt werden die Auswertungen durch kurze Texte zu wesentlichen Risikofaktoren. Detaillierte Ergebnisse, auch zur Prävalenz und zum Überleben, können über die Datenbankabfrage des Zentrums abgerufen werden.
Lebenszeitrisiko und EU-Vergleich
Aus den jährlichen Inzidenzraten lassen sich durchschnittliche Erkrankungsrisiken ableiten: Im Laufe des Lebens erkrankt nach den Registerdaten fast jeder zweite Mann (49 Prozent) und mehr als zwei von fünf Frauen (43 Prozent) an Krebs. Etwa jede sechste Frau und jeder siebte Mann erkrankt vor dem 65. Lebensjahr.
Im Vergleich innerhalb der Europäischen Union liegt Deutschland bei den Krebsneuerkrankungs- und Sterberaten insgesamt im Mittelfeld, wie eine Auswertung im Epidemiologischen Bulletin des RKI zum Weltkrebstag 2026 zeigt. Bei Frauen liegen die Raten etwas höher, bei Männern etwas niedriger als im EU-Durchschnitt. Bei einzelnen Krebsarten weichen die Raten moderat ab: So ist die altersstandardisierte Inzidenz von Brust- und Prostatakrebs in Deutschland höher als im EU-27-Mittel.
Der Weltkrebstag am 4. Februar 2026 steht unter dem Motto „Gemeinsam Einzigartig“, das die Union for International Cancer Control ausgerufen hat. Der internationale Aktionstag soll nach Angaben des RKI das Bewusstsein für Krebserkrankungen schärfen und zu deren Prävention und Behandlung mobilisieren.
Erweiterte Datenbasis durch Gesetzesänderung
Mit der Novellierung des Bundeskrebsregisterdatengesetzes durch das „Gesetz zur Zusammenführung von Krebsregisterdaten“ im August 2021 wurden die Aufgaben des Zentrums für Krebsregisterdaten erweitert. Seit 2023 übermitteln die Register – beginnend mit dem Diagnosejahr 2020 – auch wesentliche Daten aus der bundesweiten klinischen Krebsregistrierung, insbesondere zur Therapie und zum Krankheitsverlauf.
Die flächendeckende Erfassung erlaubt nach Einschätzung des RKI detaillierte Analysen für häufige und seltene Krebsarten. Die Daten werden auf Landes- und Bundesebene auf Antrag auch externen Forschenden zur Verfügung gestellt. Die nächste Ausgabe des Berichts „Krebs in Deutschland“ zum Zeitraum 2024/2025 soll im Jahr 2027 erscheinen.
Quellen
- Robert Koch-Institut, Pressemitteilung vom 16.12.2025: „Neue Ausgabe von Krebs in Deutschland erschienen“ – https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Neuigkeiten-und-Presse/Meldungen-PM/Meldungen/2025-12-16_Krebs-in-D.html
- Zentrum für Krebsregisterdaten / Deutsche Krebsregister e.V.: „Krebs in Deutschland für 2021–2023″ – https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/krebs_in_deutschland_node.html
- RKI, Epidemiologisches Bulletin 5/2026: „Zum Weltkrebstag 2026 – Aktuelle Zahlen zu Krebs in Deutschland“ – https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/13202/EB-5-2026_10-25646-13686.pdf



