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Tabakprävention in Deutschland: Jugendliche rauchen wieder häufiger
In Deutschland konsumieren wieder mehr Jugendliche Zigaretten und nikotinhaltige Produkte. Das geht aus der aktuellen Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zum Konsumverhalten von 12- bis 17-Jährigen hervor. Danach hat 2025 fast jeder zehnte Jugendliche dieser Altersgruppe (9,6 Prozent) Nikotinprodukte verwendet – 2021 waren es noch rund sechs Prozent. Die Entwicklung bewegt sich damit gegen das erklärte Ziel der Tabakprävention, den Einstieg junger Menschen in den Nikotinkonsum weiter zurückzudrängen.
Die Zahlen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Daten zur gesundheitlichen Gesamtlast des Rauchens ohnehin unverändert hoch ausfallen. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) starben im Jahr 2023 rund 131.000 Menschen in Deutschland an den Folgen des Tabakkonsums. Rauchen gilt in der Fachliteratur als das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko. Zur Verbreitung im Erwachsenenalter: Der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) zufolge rauchen 21,8 Prozent der 18- bis 64-Jährigen, das entspricht etwa 11,2 Millionen Menschen.
Damit zeichnet sich ab, was Präventionsforscher seit der Pandemie befürchtet hatten: Der jahrelange Rückgang beim Jugendrauchen ist gestoppt, und ein Teil der Bevölkerung greift weiterhin oder wieder zu Tabak- und Nikotinprodukten.
BZgA-Daten: Anstieg bei den 12- bis 17-Jährigen
Die BZgA-Studie, auf die unter anderem die Deutsche Presse-Agentur und überregionale Medien berichten, zeigt einen Anstieg gegenüber den Werten der Corona-Jahre. Der Leiter der BZgA sprach gegenüber Medien von einem signifikanten Anstieg seit 2021, insbesondere bei männlichen Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren. Bei dieser Gruppe liegt der Anteil der Rauchenden den Berichten zufolge inzwischen bei etwa zehn Prozent. Neben herkömmlichen Zigaretten tragen auch E-Zigaretten, sogenannte Vapes, und weitere nikotinhaltige Produkte zur Gesamtnutzung bei.
Suchtforscher weisen seit Jahren darauf hin, dass der frühe Einstieg in den Nikotinkonsum das Risiko einer langfristigen Abhängigkeit erhöht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) äußerte in ihrem jüngsten Bericht zur globalen Tabakepidemie erneut Besorgnis über die gezielte Ansprache junger Menschen durch neue Produkte wie E-Zigaretten und erhitzten Tabak. Die Branche vermarkte diese Produkte über Aromen, Designs und soziale Medien in besonderem Maße an Heranwachsende, heißt es in dem Bericht.
Für Deutschland kommt hinzu, dass die Jugendschutzregeln für neue Nikotinprodukte erst in den vergangenen Jahren schrittweise verschärft wurden. Fachverbände kritisieren, dass Kontrollen des Verkaufs an Minderjährige regional sehr unterschiedlich ausfallen und der Onlinehandel schwer zu überwachen sei.
Internationale Einordnung: Deutschland hinkt bei MPOWER-Maßnahmen hinterher
Die WHO bewertet die Tabakkontrollpolitik der Mitgliedstaaten anhand des sogenannten MPOWER-Maßnahmenkatalogs. Er umfasst die Überwachung des Konsums, rauchfreie Umgebungen, Hilfsangebote für Menschen, die aufhören wollen, Aufklärungskampagnen, Werbeverbote, Warnhinweise auf Packungen und höhere Tabaksteuern. Weltweit sind nach WHO-Angaben inzwischen 6,1 Milliarden Menschen durch mindestens eine dieser Maßnahmen auf höchstem Umsetzungsniveau geschützt.
Deutschland gilt in diesem Vergleich seit Langem als Nachzügler, insbesondere bei Werbeverboten und bei der Besteuerung. Erst 2024 trat ein Verbot von Tabakwerbung im Kino und auf Plakatflächen in Kraft; Werbung für E-Zigaretten bleibt in Teilen weiterhin erlaubt. Im europäischen Vergleich belegt Deutschland bei der Tabakkontrollpolitik regelmäßig hintere Plätze, wie die regelmäßig aktualisierte Tobacco Control Scale europäischer Fachorganisationen zeigt.
Eine vom DKFZ beauftragte repräsentative Umfrage zeigt allerdings Rückhalt in der Bevölkerung für schärfere Regeln: 66 Prozent der Befragten befürworteten demnach höhere Tabaksteuern, eine Mehrheit sprach sich auch für eine Präventionsabgabe aus, deren Einnahmen zweckgebunden in Aufklärung und Suchtprävention fließen sollen.
Einordnung für die Public-Health-Debatte
Für die Public-Health-Forschung sind die Jugendzahlen aus zwei Gründen relevant. Erstens gelten Präventionsmaßnahmen als besonders wirksam, wenn sie den Einstieg verhindern, statt erst im Erwachsenenalter anzusetzen. Die Kosten-Nutzen-Verhältnisse von Prävention sind an dieser Stelle gut untersucht: Jeder verhinderte Einstieg eines Jugendlichen erspart dem Gesundheitssystem langfristig Behandlungskosten und der Gesellschaft Arbeitsausfälle.
Zweitens zeigen die Daten der vergangenen Jahre, wie anfällig Präventionserfolge sind. Nach jahrelangen Rückgängen beim Jugendrauchen kehrte sich der Trend nach der Pandemie um – ein Muster, das auch bei anderen gesundheitsbezogenen Verhaltensweisen junger Menschen zu beobachten war. Forscher diskutieren als mögliche Erklärungen unter anderem die pandemiebedingten Unterbrechungen schulischer Präventionsprogramme und die veränderte Vermarktung neuer Nikotinprodukte.
Fachgesellschaften und Präventionsorganisationen fordern in diesem Zusammenhang regelmäßig eine konsequentere Umsetzung der von der WHO empfohlenen Maßnahmen, darunter lückenlose Werbeverbote, höhere Steuern auch auf neue Produkte und eine bessere Finanzierung von Präventionsprogrammen in Schulen. Ob und in welchem Umfang solche Schritte gesetzlich umgesetzt werden, ist eine Entscheidung der Politik; dieser Beitrag bewertet die Debatte nicht.
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information über Entwicklungen in Prävention und öffentlicher Gesundheit. Er ersetzt keine medizinische Beratung und enthält keine Empfehlungen zur individuellen Behandlung.
Die Belastung durch den Tabakkonsum betrifft nach Angaben des DKFZ nahezu alle Organsysteme. Zu den tabakbedingten Todesursachen zählen demnach vor allem Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronische Atemwegserkrankungen. Das Institut weist zudem darauf hin, dass auch Passivrauchen ein Gesundheitsrisiko darstellt, insbesondere für Kinder. Diese Zusammenhänge sind in der epidemiologischen Forschung seit Jahrzehnten belegt und bilden die wissenschaftliche Grundlage der Präventionsstrategien.
In der Suchtforschung gilt zudem als gesichert, dass ein Aufhören in jedem Lebensalter gesundheitliche Vorteile bringt. Die DHS verweist in ihren Materialien darauf, dass sich das Risiko für zahlreiche Erkrankungen nach dem Rauchstopp schrittweise verringert. Für Menschen, die aufhören möchten, bestehen in Deutschland Beratungsangebote, etwa die telefonische Rauchberatung der BZgA. Dieser Artikel enthält keine individuellen Empfehlungen; er dient ausschließlich der Information über gesellschaftliche Entwicklungen.
Quellen
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Studie zum Konsum nikotinhaltiger Produkte bei 12- bis 17-Jährigen (2025)
- Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ): Tabakatlas Deutschland – 131.000 tabakbedingte Todesfälle im Jahr 2023
- Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): Tabak und Nikotin – Zahlen, Daten, Fakten
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Report on the global tobacco epidemic 2025 (MPOWER)
- DKFZ-Pressemitteilung: Umfrage zu Tabaksteuererhöhungen und Präventionsabgabe



