Tuberkulose in Deutschland: RKI meldet 4.391 Fälle – WHO warnt vor weltweitem Stillstand

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Deutschland zählt weiterhin zu den Ländern mit niedriger Tuberkulose-Inzidenz – doch der Rückgang der Fallzahlen hat sich verlangsamt. Das Robert Koch-Institut (RKI) verzeichnete im Jahr 2024 insgesamt 4.391 gemeldete Tuberkulosefälle, was einer Inzidenz von 5,2 Fällen pro 100.000 Einwohnern entspricht. Gleichzeitig warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem aktuellen Global Tuberculosis Report davor, dass internationale Finanzierungsengpässe die weltweiten Fortschritte im Kampf gegen die Krankheit gefährden.

Die Zahlen stammen aus dem Epidemiologischen Bulletin 12–13/2025 des RKI, das anlässlich des Welttuberkulosetags am 24. März 2025 den aktuellen Stand der Tuberkulose-Epidemiologie in Deutschland zusammenfasst. Demnach gehört Deutschland mit einer Inzidenz von 5,2 pro 100.000 weiterhin zur Gruppe der Länder mit niedriger Erkrankungshäufigkeit. Im Vorjahr 2023 waren dem RKI 4.481 Fälle gemeldet worden; der leichte Rückgang setzt den langfristigen Trend fort, fällt jedoch moderater aus als in den Jahren zuvor.

Deutschland: Niedrige Inzidenz, aber strukturelle Herausforderungen

Das RKI weist in seinem Bericht darauf hin, dass die Tuberkulose in Deutschland überwiegend bestimmte Bevölkerungsgruppen betrifft. Ein erheblicher Teil der Erkrankungen wird bei Menschen diagnostiziert, die aus Ländern mit hoher Tuberkulose-Inzidenz nach Deutschland eingereist sind. Hinzu kommen Risikofaktoren wie Obdachlosigkeit, suchtassoziierte Erkrankungen und soziale Benachteiligung, die das Erkrankungsrisiko erhöhen und die Umgebungsuntersuchungen erschweren.

Trotz der insgesamt günstigen Ausgangslage sieht das RKI weiterhin Handlungsbedarf. In den Bericht des Epidemiologischen Bulletins fließen die Erfahrungen der vergangenen Jahre ein, in denen die Tuberkulose-Kontrolle durch die Belastung der öffentlichen Gesundheitsdienste während der Corona-Pandemie zeitweise erschwert war. Die konsequente Umsetzung der Umgebungsuntersuchungen – also die Überprüfung von Kontaktpersonen Erkrankter – gilt den Expertinnen und Experten des Instituts als zentrales Instrument, um Übertragungsketten zu unterbrechen.

Das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) bestätigt die RKI-Zahlen und betont in seiner aktuellen Lageeinschätzung, dass Deutschland die WHO-Ziele zur Eliminierung der Tuberkulose bis 2035 nur erreichen kann, wenn Diagnostik, Behandlung und Prävention konsequent aufrechterhalten werden. Dazu zählt nach Angaben des DZK auch die verbesserte Versorgung latenter Tuberkulose-Infektionen, bei denen eine Erkrankung noch nicht ausgebrochen ist, aber ohne Behandlung ausbrechen kann.

Europa: Rückgang unter den Erwartungen

Auch auf europäischer Ebene zeigt sich ein gemischtes Bild. Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) hat in seinem jüngsten Surveillance-Bericht, der die Daten für 2024 auswertet, einen Netto-Rückgang der Tuberkulose-Inzidenz in der WHO-Region Europa um 39 Prozent zwischen 2015 und 2024 verzeichnet. Dieser Wert liegt deutlich unter dem Zwischenziel der WHO-End-TB-Strategie, die bis 2025 eine Reduktion um 50 Prozent vorsah.

Das ECDC führt den verlangsamten Rückgang unter anderem auf die Folgen der Corona-Pandemie zurück, in deren Verlauf Tuberkulose-Diagnostik und -Behandlung in vielen Ländern verzögert wurden. In Teilen Osteuropas und Zentralasiens bleibt die Inzidenz weiterhin deutlich erhöht, was auch die Situation in westlichen Ländern über Migration und Reiseverkehr beeinflusst. Die Zahl der multiresistenten Tuberkulosefälle – also Erkrankungen, bei denen die Erreger gegen die wichtigsten Standardwirkstoffe unempfindlich sind – bleibt nach ECDC-Angaben in der europäischen Region ein besonderes Problem.

Für Deutschland bedeutet die europäische Entwicklung, dass die nationale Tuberkulose-Kontrolle weiterhin eng mit der internationalen Zusammenarbeit verknüpft bleiben muss. Screening-Programme für bestimmte Risikogruppen und die enge Kooperation zwischen Gesundheitsämtern, Kliniken und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten bilden nach Einschätzung des RKI die Grundlage dafür, Erkrankungen früh zu erkennen und Übertragungen zu verhindern.

Weltweit: WHO sieht Fortschritte durch Finanzierungslücken bedroht

Der Global Tuberculosis Report 2025 der WHO zeichnet ein weltweit uneinheitliches Bild: Die globale Inzidenz und die Zahl der Todesfälle durch Tuberkulose sind zwar zuletzt gesunken, doch der Rückgang fällt geringer aus als zur Erreichung der WHO-Ziele erforderlich wäre. Insgesamt 184 Länder und Gebiete mit mehr als 99 Prozent der Weltbevölkerung und der weltweiten Tuberkulose-Fälle haben für den aktuellen Bericht Daten übermittelt.

Die WHO warnt in diesem Zusammenhang ausdrücklich vor den Folgen internationaler Finanzierungsengpässe. Kürzungen bei der globalen Gesundheitsförderung könnten die ohnehin fragilen Fortschritte gefährden und insbesondere einkommensschwache Länder treffen, in denen der Großteil der weltweiten Tuberkulose-Erkrankungen konzentriert ist. Nach Angaben der WHO drohten Rückschläge in der Diagnostik, im Zugang zu Behandlungen und in der Versorgung resistenter Erregerformen.

Die europäische Region habe laut WHO-Bericht im Vergleich zu anderen Weltregionen größere Rückgänge verzeichnet – sowohl bei der Inzidenz als auch bei der Zahl der Todesfälle. Dennoch bleibt die Region hinter dem angestrebten Zwischenziel zurück. Fachgesellschaften und Public-Health-Experten betonen deshalb, dass die Bekämpfung der Tuberkulose als eine der ältesten bekannten Infektionskrankheiten kein abgeschlossenes Kapitel der Medizingeschichte ist, sondern eine fortdauernde Aufgabe für das öffentliche Gesundheitswesen.

Für Deutschland gelte dies ebenso, betont das RKI: Auch in einem Land mit niedriger Inzidenz erfordere die Tuberkulose-Kontrolle kontinuierliche Aufmerksamkeit, ausreichende personelle Ressourcen in den Gesundheitsämtern und eine enge internationale Abstimmung – nicht zuletzt angesichts der globalen Vernetzung von Infektionsgeschehen.

Auch die internationale Vernetzung der Surveillance-Systeme spielt nach Darstellung des ECDC eine wachsende Rolle: Die gemeinsame Datenerhebung mit der WHO-Region Europa ermöglicht es, grenzüberschreitende Übertragungswege und regionale Unterschiede in der Versorgung sichtbar zu machen. Deutschland beteiligt sich an dieser Datenerhebung über das nationale Meldesystem nach dem Infektionsschutzgesetz.

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